
Gegen Ende der 80er gab es eine ganze Flut an Action-Toys mit verrückten Funktionen. Für mich als kleinen Jungen war es das Größte, wenn sich Fahrzeuge verwandeln oder umbauen ließen. Klar, jetzt wird jeder sofort sagen: Transformers – das Nonplusultra der Transformationen. Und ja, auch bei den Turtles oder den Ghostbusters gab es Figuren, die sich in etwas anderes verwandeln konnten.
Aber mein Herz gehörte tatsächlich den Fahrzeugen der Mobile Armored Strike Kommand, kurz M.A.S.K., und ihren Widersachern VENOM.
Das Team rund um Matt Trakker und seinen Chevrolet Camaro Z28 von 1985, der sich in den Jet Thunderhawkverwandelte, übte auf mich eine unglaubliche Faszination aus. Dazu kamen die coolen Masken mit ihren speziellen Fähigkeiten – jede mit einer eigenen Funktion. Für einen Jungen damals war das einfach pures Abenteuer im Kinderzimmer.
Meinen ersten Kontakt mit dieser Toyline hatte ich allerdings eher zufällig. Meine Eltern lebten damals getrennt, und wir waren wieder einmal an einem Samstag mit meiner Mom und meinem Dad unterwegs. Zum Abschluss des Tages gingen wir gemeinsam in ein Restaurant. Mein Dad brachte meiner kleinen Schwester und mir oft Geschenke mit, weil wir bei unserer Mutter lebten.
Dort im Lokal bekamen wir beide unsere Überraschungen – und das, was mein Dad mir über den Tisch reichte, war für mich einfach der Wahnsinn.
Als Erstes bekam ich Bandit, ein Motorrad, das sich in ein Luftkissenfahrzeug verwandelte. Und dann – als wäre das noch nicht genug – auch noch Matt Trakkers Thunderhawk.
Ich kann mich heute noch genau daran erinnern, wie ich mein Essen komplett vergessen hatte. Ich saß einfach nur da und spielte ununterbrochen mit diesen beiden Fahrzeugen.
Als wir später nach Hause kamen, war klar: Das war von da an mein Top-1-Spielzeug.
Der Vorteil für mich als Scheidungskind war damals übrigens ein ganz besonderer:
Meine Mom versorgte mich mit Masters of the Universe-Figuren, und mein Dad – der die M.A.S.K.-Reihe selbst unglaublich cool fand – eben mit genau diesen Fahrzeugen.
Natürlich schlug dieses Spielzeug-Phänomen auch bei meinem besten Kumpel ein, und wir bauten unsere Fahrzeug-Armada ständig aus. Auch hier gab es – wie bei so vielen Toylines – eine Hörspielkassette von Europa. Die Abenteuer wurden oft aus der Sicht von Scott Trakker, dem Sohn von Matt, erzählt, zusammen mit seinem Roboterfreund T-Bob, der sich in einen kleinen Roller verwandeln konnte. Genau dieses Schema wurde später auch in der Animationsserie übernommen – vermutlich, weil viele Folgen nahezu identisch mit den Hörspielen waren.
Mich holte die Serie im Fernsehen allerdings noch mehr ab. Allein das futuristische Intro zog mich jedes Mal sofort in seinen Bann.
Und genau dort sah ich immer wieder ein Fahrzeug, das mich besonders faszinierte: Rhino – der rote Sattelschlepper, oft gefahren von Bruce Sato und Alex Sector, manchmal auch von Matt Trakker selbst. Dieser Truck war die mobile Kommandozentrale, ausgestattet mit einem kleinen taktischen Einsatzfahrzeug.
Dieser Truck hatte es mir wirklich angetan.
Zu Weihnachten bekam ich dann das Hauptquartier von M.A.S.K., die Tankstelle Boulder Hill, von meiner Patentante und meinem Onkel geschenkt. Natürlich hoffte ich insgeheim, auch Rhino unter dem Weihnachtsbaum zu finden.
Aber leider: Fehlanzeige.
Zwischen Masters, Turtles und Lego fand sich kein Truck. Versteht mich nicht falsch – Boulder Hill war genial und ergänzte meine Sammlung perfekt. Zusammen mit Gator (dem Jeep mit Dusty Hayes), Condor (dem Motorrad von Brad Turner) und dem Abschleppwagen Firecracker mit Hondo MacLean war ich für den Kampf gegen VENOM bestens ausgerüstet.
Und trotzdem fehlte etwas: das Symbol aus dem Logo.
Ich war schon ein bisschen traurig und hatte den Traum vom Rhino fast abgeschrieben.
Am Wochenende nach Weihnachten waren wir dann wieder bei meinem Dad, um dort ebenfalls Bescherung zu feiern. Unter seinem Weihnachtsbaum lagen für mich zwei kleine und ein größeres Paket.
Die ersten beiden waren schnell ausgepackt: Scott mit T-Bob – und in dem anderen Piranha, das Motorrad mit Beiwagen von Sly Rax. Schon ziemlich cool.
Dann kam das große Paket.
Ich riss es auf – und da stand er vor mir: Rhino, die mobile Kommandozentrale.
Ich war völlig überwältigt.
Mein Dad half mir, die typischen Aufkleber anzubringen, während ich immer wieder die Figuren von Bruce Sato und Matt Trakker bestaunte. Gemeinsam testeten wir alle Funktionen: Die verchromten Auspuffrohre klappten nach vorne und wurden zu Blastern, das Rammschild kam aus dem Kühlergrill, die Kabine ließ sich ausfahren, und plötzlich stand da eine komplette Kommandozentrale mit Satellitenschüssel.
Und dann noch das Highlight: Der hintere Teil ließ sich abkoppeln – und wurde zu einem kleinen Panzer.
Dieses Ding konnte einfach alles.
Ich spielte den ganzen Nachmittag damit – mal mit meinem Vater zusammen, mal ganz vertieft für mich allein.
Und natürlich war ich ab da der König, wenn ich mit meinem Kumpel unsere eigenen M.A.S.K.-Missionen spielte.
Bis heute ist mir genau dieses Wochenende im Gedächtnis geblieben. Dieses Gefühl von „Ich hab ihn bekommen!“ – und dass es das Coolste war, was ich je von meinem Vater geschenkt bekommen habe.
Und weißt du was?
Dieses Gefühl kommt manchmal wieder zurück. Ganz leise. Ganz plötzlich. Wenn ich heute – mit 47 Jahren – das Intro höre oder mir eine Folge anschaue.
Das war Spielzeug für große Jungs.
Und irgendwie holte es uns ein Stück näher auf den Boden der Realität zurück. Planeten wie Eternia, New Texas, Tatooine oder der Todesstern wanderten langsam wieder zurück in die Spielzeugkiste.
Stattdessen träumten wir davon, selbst einmal so ein Fahrzeug zu fahren. Oder eine dieser Masken zu tragen.
Wir wurden ein kleines Stück erwachsener mit dieser Toyline. Die Geschichten wirkten greifbarer: Kunstraub, gefährliche Technologien, Bedrohungen durch Strahlen oder Gifte. Und trotzdem hatte jede Folge ihre Moral, ihren kleinen Appell.
Also, liebe 80s- und 90s-Kids:
Lasst uns hoffen, dass Matt Trakker uns eines Tages doch noch für eine Mission auswählt – und unsere Uhr mit dem M.A.S.K.-Symbol endlich zu leuchten beginnt.