Warum mag ich das nicht mehr – oder: Wie sich Fan-Sein verändert

Veröffentlicht am 6. März 2026 um 15:11

„Ich bin ein Fan von …“
„Das ist meine Leidenschaft.“

Wie oft haben wir das gesagt – über Filme, Serien, Franchise-Universen oder Sportarten. In den 80ern klang das noch wie ein Versprechen. Wie einTreueschwur, besiegelt mit Pausenbrot in der Hand und Neonlicht im Kinderzimmer.

Tatsächlich weiß ich noch ganz genau, was meine erste große Leidenschaft war – ohne zu ahnen, dass etwas anderes viel tiefer in mir verwurzelt war. Etwas, das nur darauf wartete, wieder aufzutauchen.

Als Kind der 80er steckte ich mitten in einem Fan-Krieg.
Ohne es zu wissen.

Nicht auf dem Schulhof.
Sondern im Kinderzimmer.

Nicht mit Waffen – sondern mit Actionfiguren.

Auf der einen Seite: Star Wars.
Raumschiffe. Laser. Ferne Galaxien. Ein Märchen im Weltraum.

Auf der anderen: He-Man and the Masters of the Universe.
Schwerter. Muskeln. Magie. Ein Planet namens Eternia, der sich anfühlte wie ein endloser Abenteuerspielplatz.

Beides war Pflicht. Für Jungs – und ja, auch für einige Mädels – absolutes Must-have.
Und doch kämpften zwei völlig unterschiedliche Welten um die Fantasie eines Kindes.

Das große Kino im Wohnzimmer

Star Wars war das große Kino.
Dieses Gefühl, etwas zu sehen, das größer war als man selbst.

Ich weiß noch genau, wie ich mit vier oder fünf Jahren bei Freunden saß, während Die Rückkehr der Jedi-Ritter im Kino lief. Zum ersten Mal hielt ich diese markanten Kenner-Figuren in der Hand. Luke. Vader. Stormtrooper.

Mein Vater – von dem ich meine Liebe zu Filmen, zu Elvis Presley und vermutlich auch mein Nerd-Sein geerbt habe – schenkte mir meine ersten eigenen Figuren. Und plötzlich war da dieses neue Gefühl:
Das waren keine Figuren zum Film.
Sie waren der Film.

Als ich dann mit meinem Dad Krieg der Sterne auf Video 2000 schauen durfte, war es endgültig vorbei. Star Wars hatte mich.

Meine Armee wuchs. X-Wings landeten im Regal. Der Sandkasten wurde zu Tatooine. Zerknüllte Bettlaken verwandelten sich in die Eiswüste von Hoth. Einmal die Woche ein Film – mein erstes echtes Fan-Ritual.

Star Wars war der Traum, den man gemeinsam auf der Couch lebte.

Und dann kamen die Masters

Zum siebten Geburtstag bekam ich von meiner Mutter das Doppelpack He-Man und Skeletor – inklusive des Hörspiels Die Giganten des Universums.

Und plötzlich war da kein Weltraum mehr.
Keine Technik. Keine Raumschiffe.

Stattdessen: Eternia.

Ein Planet aus Fantasie, Magie und roher Kraft.
Hier ging es nicht um ferne Galaxien, sondern um Schwerter, Burgen und darum, dass alles direkt greifbar war.

Während Star Wars davon lebte, gesehen zu werden, wollten die Masters gespielt werden.

He-Man stand einfach da – auf dem Teppich, bereit für das nächste Abenteuer. Skeletor war kein ferner Mythos, sondern jemand, dem man jeden Tag aufs Neue gegenübertreten konnte.

Das Hörspiel zog mich sofort hinein. Ein Junge aus unserer Welt – Martin – der nach Eternia gelangt. Das war keine Geschichte.
Das war eine Einladung.

Star Wars zeigte mir, wie groß das Universum ist.
Masters zeigte mir, wie grenzenlos Fantasie sein kann.

Prä-Disney und das leise Entfernen

Jahre später blickte ich zurück – und da war diese klare Zäsur. Ich nenne sie meine Prä-Disney-Ära von Star Wars.

Mit den muskelbepackten Hasbro-Figuren und den Special Editions tauchte ich wieder ein in die weit, weit entfernte Galaxie. Die Komplexität des damaligen erweiterten Universums faszinierte mich. Comics, Bücher, neue Filme, Serien – alles wuchs.

Doch als das „Mäuse-Unternehmen“ übernahm, wurde vieles davon zu „Legends“ erklärt. Und irgendetwas veränderte sich in mir.

Ich war nie der Typ: „Da steht Star Wars drauf, also muss ich es feiern.“
Ich liebte das Dunkle, das Staubige, das Graue der Original-Trilogie – dieses Used-Future-Feeling, das wir später noch in Filmen wie Rogue One oder Serien wie Andor gespürt haben.

Aber insgesamt fühlte es sich nicht mehr wie mein Star Wars an.

Vielleicht bin ich älter geworden.
Vielleicht hat sich das Fan-Sein verändert.
Vielleicht ist ein Franchise, das überall ist, irgendwann nicht mehr besonders.

Was mir fehlte, war dieses warme Gefühl:
Mit meinem Dad Filme schauen. Begeisterung weitergeben. Dieses Leuchten in kleinen Augen.

Es war kein harter Bruch.
Eher ein schleichender Abschied.

Und dann stand da plötzlich „Retro Play“

Und dann – völlig unerwartet – standen sie wieder im Spielzeugladen.

Gleiches Design. Gleiche Verpackung. Nur moderner.
„Retro Play“ stand drauf.

Die Masters waren zurück.
Ohne großes Tamtam. Ohne Marketing-Gewitter.

Einfach da.

Als ich He-Man und Battle Cat auspackte, war ich wieder sieben.
Sofort. Ohne Umweg.

Castle Grayskull. Der Wind Raider. Alles in der alten Gussform, nur mit mehr Artikulationspunkten.

Ich fühlte mich wie Bastian Balthasar Bux beim Lesen von Die unendliche Geschichte.
Gefesselt.
Zurück in einer Welt, die nie wirklich weg war.

Warum gerade jetzt?
Warum Masters of the Universe?

Ich weiß es nicht. Aber es kam genau richtig.

Klarheit in einer komplizierten Welt

Vielleicht brauchte ich wieder diese Klarheit.
Gut und Böse.
Ein Held mit Schwächen – und trotzdem unglaublicher Kraft.
Verbündete. Echte Widersacher.

Charaktere, deren Namen schon verraten, welche Macht sie besitzen.
Eine Moral am Ende jeder Folge: Du bist verantwortlich für dein Handeln.

Und jetzt – nach über drei Jahrzehnten – kommt tatsächlich ein neuer Kinofilm zu Masters of the Universe.

Der Teaser beginnt mit den Worten:
„Vor nicht allzu langer Zeit, in der vieles einfacher war … war dies ein Held.“

Und plötzlich ist sie wieder da:
Diese Gänsehaut.
Diese Sehnsucht.
Dieses kindliche Staunen.

Wenn ich heute in diese Welt eintauche, bin ich nicht nur der erwachsene Stephan mit Alltag und Verpflichtungen.

Ich bin wieder der kleine Junge auf dem Wohnzimmerteppich.
Ich bin Martin aus „Die Giganten des Universums“.
Ich bin auf Eternia.

Vielleicht verändert sich Fan-Sein einfach.
Vielleicht ist es kein Verlust, sondern eine Verwandlung.

Star Wars war mein Traum mit meinem Vater.
Masters ist mein Abenteuer mit mir selbst.

Und manchmal – ganz selten – darf man sich eingestehen:
Man mag etwas nicht mehr so wie früher.

Nicht aus Trotz.
Nicht aus Wut.

Sondern weil das Herz woanders wieder lauter schlägt.