Helden, Heldinnen und was lernte uns die heutige Folge….

Veröffentlicht am 6. März 2026 um 15:05

ich erwähne ja immer wieder dass unsere Helden aus den Zeichentrickserien der 80er-Jahre am Ende fast jeder Folge die berühmte „Moral der Geschichte“ präsentierten. Diese kleinen Lektionen sollten uns Werte wie Ehrlichkeit, Mut, Respekt und die Bedeutung von Freundschaft näherbringen. Genau diese Botschaften prägten viele von uns in jungen Jahren – wir wuchsen mit einer Art unsichtbarem Kodex auf. Doch warum empfanden wir das damals als wichtig? Warum schalteten wir nicht genervt ab? Belehrungen und Regeln gab es schließlich schon genug, meist von den doofen, langweiligen Erwachsenen.

Der Unterschied lag im Ton und im Herzen der Sache. Nicht jede Serie nutzte die Moral als festen Abschluss, doch besonders prägend waren natürlich He-Man and the Masters of the Universe und später She-Ra – Princess of Power, wo eine direkte moralische Lektion oft das Verhalten einer Figur reflektierte. Bravestarrhinterließ klare Botschaften, während Saberrider and the Starsheriffs meist auf eine explizite Zusammenfassung verzichtete. Dort wurde die Moral durch die Taten der Helden vermittelt – ganz selbstverständlich, zwischen Laserschüssen und Sternenstaub. Gerechtigkeit, Teamwork, Mut und der Schutz der Schwachen standen im Mittelpunkt, fast immer im ewigen Kampf zwischen Gut und Böse.

So spiegelte sich die Moral im Handeln der Charaktere wider und brachte uns jungen Zuschauern positive Verhaltensweisen bei – nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern mit leuchtenden Augen, großen Abenteuern und dem Gefühl, dass das Richtige zu tun einfach dazugehört.

Doch was machte all das eigentlich mit mir als kleinem Menschen? Ganz einfach: Ich sah die nächste Folge plötzlich mit anderen Augen. Ich hörte genauer hin, war aufmerksamer als zuvor. Nicht nur wegen der Action oder der bunten Figuren, sondern weil ich wissen wollte: Was ist diesmal die Moral der Geschichte?

Natürlich funktionierte das nicht immer perfekt. Schließlich hatten wir – trotz aller Lektionen – unseren ganz eigenen Willen. Oft dickköpfig, manchmal rebellisch. Nennen wir es ruhig beim Namen: Grenzen austesten.

Ein wunderbares Beispiel dafür ist He-Man, Folge 3: „Das verschwundene Schwert“. Orko soll in seinem chaotischen Zimmer im Palast endlich Ordnung schaffen und lässt dabei – natürlich – das Schwert von Prinz Adam verschwinden. Am Ende der Episode ermahnt ihn Man-At-Arms, sein Zimmer aufzuräumen. Ordentlich. Und vor allem ohne Magie. Diese Szene kommt noch vor der eigentlichen Moral – und Orko zeigt uns dabei herrlich augenzwinkernd, was es bedeutet, die Finger hinter dem Rücken zu kreuzen. Ein schelmisches Lächeln inklusive.

Keine echte Einsicht, keine ernst gemeinte Erkenntnis – sondern genau diese Art von kindlicher Ausrede, die wir nur zu gut kannten. Und vielleicht gerade deshalb blieb sie uns so lange im Gedächtnis.

Das Kapitel trägt den Titel „Helden, Heldinnen und was lernt uns die heutige Folge“. Auf Letzteres sind wir gerade ausführlich eingegangen. Doch was ist mit unseren Helden und Heldinnen? Warum waren sie uns so wichtig? Warum fieberten wir mit ihnen mit, als ginge es um unser eigenes Abenteuer?

Ich weiß nur eines: Ich wollte immer ein kleines bisschen so sein wie Bravestarr, wie Colt aus Saberrider oder Goose von den Galaxy Rangers – diese typischen Space Cowboys. Schnell, schlagfertig, immer einen coolen Spruch auf den Lippen. Sie hatten Blaster, sie hatten Stil. Und ja, zumindest Goose und Colt waren irgendwie die „Bad Guys“ – aber eben nur auf den ersten Blick. Denn im Herzen waren sie loyal, immer Teil des Teams, stets bereit, den richtigen Weg gemeinsam zu gehen. Sie stellten Dinge infrage, gingen auch mal quer – und genau das machte sie so menschlich.

Bravestarr war da noch einmal eine ganz andere Nummer. Er war einfach cool. Still, gerecht, unerschütterlich. Einer von denen, bei denen man wusste: Wenn er den Raum betritt, wird alles gut.

Irgendwann gesellten sich weitere Namen zu meiner inneren „So wäre ich gern, wenn ich groß bin“-Liste: Man-At-Arms und Grag, der erstaunlich humanoide Roboter aus der Captain-Future-Crew. Meine Augen begannen jedes Mal zu leuchten, wenn Man-At-Arms eine neue Erfindung präsentierte oder ein Problem mit Köpfchen statt mit roher Gewalt löste. Und bei Grag? Da saß ich gedanklich neben ihm im Cockpit der Comet, während er sie durch das All navigierte und sich mit Otto stritt.

Zog Goose seine Blaster mit diesen blitzschnellen Reflexen, schoss auch mein Arm nach vorne. Verengten sich Bravestarrs Augen, wenn er die Kraft des Falken rief, hielt auch ich den Atem an.

Ich war nicht nur Zuschauer.
Ich war dabei.
Mitten drin.

Doch nicht nur die Helden zogen mich magisch in ihren Bann. Auch einige Heldinnen hatten eine ganz besondere Anziehungskraft auf mich – und eine davon ganz besonders: She-Ra, die Beschützerin Etherias und Zwillingsschwester von He-Man.

Ich war sofort ein kleines bisschen verliebt in Adora, alias She-Ra. Sie war taff, wunderschön und verfügte über dieselben Kräfte wie He-Man. Natürlich war die Serie auch dafür gedacht, junge Mädchen abzuholen – aber ganz ehrlich: Auch wir Jungs waren Feuer und Flamme. Wir lernten die Wilde Horde kennen, Hordak und all die düsteren Gestalten. Und mittendrin stand She-Ra, diese Powerfrau, stark, mutig und unbeirrbar.

Rückblickend war sie wohl mein frühkindlicher Crush – wie man heute so schön sagt. Und ja, dieses „Verliebtsein“ meinte damals dieses herrlich naive Gefühl von „Wenn ich groß bin, heirate ich dich!“. Ich habe She-Ra tatsächlich vor allem ihretwegen geschaut. Ich fand sie einfach großartig.

Aber sie war nicht allein: Auch April aus Saberrider und Joan aus Captain Future hatten es mir angetan. Tja, mit sieben Jahren hatte ich offenbar schon ein ziemlich klares Beuteschema. Trotzdem blieb She-Ra immer meine Nummer eins.

Und jetzt kommt das Schönste zum Schluss: Soll ich euch etwas verraten? Ich habe sie im echten Leben tatsächlich gefunden. Und ich werde sie heiraten.