Actionfiguren die Helden zum Greifen nah

Veröffentlicht am 6. März 2026 um 13:10

Natürlich klebten wir nicht nur vor der Glotze. Irgendwann waren die matschigen Cornflakes verschlungen und der letzte spannende Cartoon lief über den Bildschirm. Jetzt konnte man die Macht – ich meine natürlich die Fernbedienung – guten Gewissens an die kleine Schwester weiterreichen, damit sie die Glücksbärchis oder Ähnliches schauen konnte.

Also schnappte man sich ein Comic und verschwand noch bis zum Frühstück in die bunte Welt der Superhelden. Nach dem Frühstück durften wir meist zum Einkaufen mitfahren. Und besonders cool war es, wenn es einmal im Monat ins Einkaufszentrum ging. Großeinkauf. Und was gab es dort? Eine gut sortierte Spielzeugabteilung. Jackpot.

Für mich – und für viele andere Kids damals – war das das absolute Highlight. Mit etwas Glück konnte man bei den Eltern etwas abstauben, oder man hatte schon eigenes Taschengeld angespart. Und dann stand ich da, sieben Jahre alt, mit weit aufgerissenen Augen vor diesen endlosen, bunten Regalen und Displays.

Da waren sie. Fein säuberlich aufgereiht: die begehrten Figuren aus Plastik mit all ihrem coolen Zubehör, Burgen und Fahrzeugen. Die Verpackungen leuchteten in grellen, herrlich schrillen Farben. Skeletor, He-Man, Trap Jaw mit seinen Wechselarmen. Der Wind Raider, der schnelle Gleiter der Helden. Und der Land Shark – das haiähnliche Fortbewegungsmittel der Bösen.

Natürlich wurde jede einzelne Figur in ihrem Blister sorgfältig bestaunt, gedreht und gewendet. Auf der Rückseite las man dann gebannt, welche Actionfunktion die Figur oder das Fahrzeug hatte. Neben den Masters of the Universe standen dort auch unsere vertrauten Helden und Bösewichte aus Marshall Bravestarr– doppelt so groß wie die Masters-Figuren – außerdem M.A.S.K. und die Turtles.

Für mich war das eine andere Welt. Und ich hatte Glück: Oft durfte ich mir tatsächlich etwas aussuchen. Manchmal gab es sogar einen kleinen Zuschuss zum mühsam gesparten Taschengeld, damit es doch das große Spielset wurde.

Und dann ging es nach Hause. Ins Kinderzimmer. Dort konnten wir mit unseren Helden aus den Cartoons neue Abenteuer erleben oder bekannte Geschichten nachspielen. Die Fantasie lief auf Hochtouren – ganz ohne Bildschirm, aber mit jeder Menge Magie.

Schon das Nachhausekommen war ein Erlebnis. Die Figur vorsichtig aus dem Plastik zu befreien, zuerst die Gelenke in alle Richtungen zu bewegen und dann Waffen und Zubehör anzubringen – das war fast schon ein kleines Ritual. Noch heute erinnere ich mich ganz genau an diesen Duft, der beim Öffnen der Verpackung entwich. Dieses ganz spezielle Plastik-Aroma. Es roch nach Neuem, nach Spielspaß, nach großen Abenteuern.

Ich sehe es noch immer vor mir, wie ich mit dem Wind Raider, Man-At-Arms fest im Sitz, durch die ganze Wohnung rannte und wilde Flugmanöver flog. Plötzlich wurden zusammengeknüllte Decken zu unheimlichen Höhlen der Bösen. Der Schreibtisch verwandelte sich kurzerhand in den Stützpunkt der Guten.

Meine Fantasie lief auf Hochtouren. Aus Kartons entstanden Gebäude, und auf dem Sofa ragte plötzlich Castle Grayskull über die weite Wohnzimmer-Ebene – unbezwingbar für Skeletor und seine Evil Warriors.

Am allerbesten war es natürlich, wenn der beste Kumpel zu Besuch war. Gemeinsam gegen das Böse kämpfen, Pläne schmieden, Siege feiern. Ich denke oft an diese Momente zurück. Und weiß auch warum: Alles war so herrlich unbeschwert. Man machte sich keine Gedanken um irgendetwas.

Man war einfach wieder auf Eternia, in New Texas oder in der M.A.S.K.-Zentrale. Und man konnte all das selbst erleben – mit Fahrzeugen, Figuren und einer Fantasie, die keine Grenzen kannte.

Das Schöne ist: Dieses Gefühl können wir heute, als Erwachsene, immer noch in uns tragen. Vielleicht nicht mehr zwischen Sofakissen und Kartons, vielleicht ohne Blisterverpackungen und Plastikduft – aber es ist noch da. Tief verankert.

Es reicht manchmal ein alter Vorspann, ein vertrauter Soundtrack oder ein Retro Spielzeug im Regal, und plötzlich sind wir wieder dort. Für einen kurzen Moment verschwinden Termine, Rechnungen und Verpflichtungen. Stattdessen meldet sich dieses warme, unbeschwerte Gefühl zurück, das uns damals begleitet hat.

Wir sind älter geworden, klar. Aber ein Teil von mir ist wieder der kleine Junge immer noch auf Eternia, in New Texas oder irgendwo zwischen den Sternen unterwegs. Und vielleicht ist genau das das größte Geschenk dieser Zeit: Dass sie uns etwas mitgegeben hat, das wir nie ganz verloren haben.