Cornflakes, Fernbedienung und pssst …

Veröffentlicht am 5. März 2026 um 19:25

Na, erkennt ihr euch wieder?


Ihr wart vielleicht sieben oder acht Jahre alt, mitten in den 80ern. Im Kabelfernsehen etablierten sich gerade Sender wie RTL, Tele 5 und ProSieben. Eine bunte Mischung aus Serien, Shows, Nachrichten, Werbung – und natürlich Kinderfernsehen – flimmerte über den guten alten Röhrenfernseher. Und genau dieses Kinder-TV ist es, das bei mir sofort die Erinnerungen von damals wachruft.

Ich behaupte: Fast jeder aus meiner Generation hat samstagmorgens, noch bevor die Eltern aufgestanden waren, dasselbe Ritual zelebriert. Leise schlich man im Lieblingspyjama, bewaffnet mit Kuscheldecke, ins Wohnzimmer. Bloß niemanden wecken – schon gar nicht die Erwachsenen oder, noch schlimmer, die nervige kleine Schwester. Schnell noch eine Schüssel mit Cornflakes und dann ab vor die Flimmerkiste

Dann wurde der Powerknopf auf der Fernbedienung gedrückt. Die gute alte Röhre erwachte mit lautem Knistern und Rauschen zum Leben und füllte den eben noch schwarzen Bildschirm mit flackernden Bildern. Hektisch suchte man den richtigen Sender, immer in der Angst, das geliebte Intro der Zeichentrickserie verpasst zu haben.
Mit etwas Glück lief noch Werbung – diese herrlich überdrehte Werbung, in der das passende Spielzeug zur Serie bunt, laut und spektakulär angepriesen wurde.

Und dann: Das ersehnte Ende der Werbung auf der Flimmerkiste. Schon in den ersten Sekunden wussten wir, welcher Held uns gleich auf sein Abenteuer mitnehmen würde – und welche Lektion wir diesmal lernen sollten. Ja, ihr lest richtig: In den 80ern wurden uns durch Charaktere wie He-Man und die Masters of the Universe, Marshall Bravestarr oder Saberrider ganz nebenbei Werte vermittelt. Nach jeder Folge erklärte einer der Helden, was wir aus der Geschichte mitnehmen konnten – zum Beispiel, dass Vorurteile nichts bringen oder man nichts von Fremden annehmen sollte.

Natürlich haben uns das auch unsere Eltern beigebracht. Aber seien wir ehrlich: Es war einfach viel cooler, es von einem Helden zu hören, der gerade den Bösewicht besiegt und seine Freunde gerettet hatte – Freunde, die zuvor durch eine kleine Dummheit oder ein unausgesprochenes Problem überhaupt erst in diese Lage geraten waren, aber das nur mal so nebenbei.

 

Und dann ertönten sie – die ersten Geräusche, die ersten Klänge des Intros. Noch heute bekomme ich dabei Gänsehaut und dieses wohlig-warme Gefühl, sobald der Name Lou Scheimer im Vorspann auftaucht, begleitet von dieser kleinen, fast magischen Melodie. Und dann ging es richtig los: diese unvergleichlich stimmige Titelmusik, die uns sofort klar machte, dass jetzt etwas Großes begann.

Plötzlich erschien er auf dem Bildschirm: blondes Haar, kantiges Gesicht, gewaltige Muskeln, eingepackt in ein weißes Shirt mit pinker Weste. Mit seiner markanten, ruhigen Stimme leitete er die Folge ein – ein Moment, den man nie vergessen hat:

"Ich bin Adam, Prinz von Eternia und Verteidiger der Geheimnisse von Schloss Grayskull. Dies ist Cringer, mein furchtloser Freund. Wunderbare Geheimkräfte erschlossen sich mir, als ich eines Tages mein Zauberschwert emporstreckte und sprach: Bei der Macht von Grayskull – ich habe die Kraft! In diesem Moment wurde Cringer zum mächtigen Battle Cat, und ich selbst wurde zu He-Man, dem mächtigsten Mann des Universums. Nur drei weitere kennen dieses Geheimnis: meine Freunde die Sorceress, Man-At-Arms und Orko. Gemeinsam verteidigen wir die Geheimnisse von Schloss Grayskull gegen die bösen Mächte von Skeletor."

Und spätestens da war klar: Jetzt wurde nicht mehr gezappt. Jetzt saß man still da, die Cornflakes vergessen, die Augen groß – bereit für ein weiteres Abenteuer.

Die Spannung stieg von Sekunde zu Sekunde. Was würde in der heutigen Folge passieren? Welche Botschaft würde am Ende auf uns warten? Und welche neue Schandtat hatte Skeletor diesmal ausgeheckt, um den Bewohnern von Eternia das Leben schwer zu machen?

Man fieberte mit den Helden mit und wünschte sich insgeheim genauso treue Begleiter: Man-At-Arms, den loyalen Waffenmeister mit seiner väterlichen, manchmal belehrenden Art; Orko, den schusseligen Zauberer, der am Ende doch oft der heimliche Held der Folge war; und Teela, taff, mutig – und doch ahnungslos, was das große Geheimnis um Adam betraf. Und natürlich stellte sich die Frage: Welcher von Skeletors Handlangern würde heute das Nachsehen haben? Beast Man, Trap Jaw oder vielleicht sogar Tri-Klops?

 

Nach rund 25 Minuten hatten He-Man und die Masters of the Universe einmal mehr Eternia und Schloss Grayskull vor Skeletor gerettet. Doch schon während des Abspanns und sich die nächste Werbepause ankündigte, wussten wir: Gleich geht es weiter. Gleich wartet der nächste Held auf uns – in einer fernen Zeit, in einem fernen Raum.

Ich kuschelte mich noch tiefer in meine Decke, umgeben von Kissen, und meine Augen begannen zu leuchten, als der Schriftzug BraveStarr wie ein futuristisches Brandzeichen auf der Karte von New Texas eingebrannt wurde. Und dann erklang diese Stimme:

"In einer fernen Zeit, in einem fernen Raum liegt der Planet New Texas – ein Freiheitstraum. Das Land freier Menschen? So könnte es sein. Doch selbst hier mischte sich stets auch das Böse mit ein. Ein Mann des Gesetzes kam von irgendwoher, ausgestattet mit der Kraft von Wolf und Bär. Als Beschützer der Schwachen trotzt er jeder Gefahr. Er ist der Hüter des Rechts: Marshall BraveStarr."

Da war sie – die neueste Folge über den charismatischen Gesetzeshüter von New Texas. Mit dabei sein loyaler Deputy Fuzz von den Prärie-Leuten und sein treuer Freund Thirty-Thirty, das intelligente Technopferd, das sich auf zwei Beine stellen konnte, um seine geliebte Sarah Jane abzufeuern. Und wieder einmal war klar: Wegschalten kam nicht infrage.

Und warum blieben wir dran und zappten nicht weiter? Ganz einfach: Wir waren gefesselt. Gebannt starrten wir auf die Flimmerkiste und verfolgten den Kampf von Marshal Bravestarr gegen Tex Hex – den untoten Zauberer und Anführer der Aasgeierbande. Fast in jeder Folge handelte Tex Hex im Auftrag des Dämonen Stampede, der New Texas unterwerfen und das begehrte Kerium an sich reißen wollte.

Ich war jedes Mal aufs Neue gespannt, welche Kraft Bravestarr einsetzen würde, um die Schurken zu besiegen. Hand aufs Herz: Habt ihr euch als Kinder nicht auch gewünscht, einfach so die Kraft des Bären, die Geschwindigkeit des Pumas, die Ohren des Wolfes oder die Augen des Falken heraufzubeschwören? Oder wenigstens ein einziges Mal mit Sarah Jane zu schießen?

Ein leises Lachen, wenn Fuzz mit seinen kleinen Stummelbeinen mal wieder etwas anstellte, und ein weit aufgerissener Mund, wenn Thirty-Thirty sich verwandelte. Es gab keine Folge, in der unser Held es nicht schaffte, New Texas durch eine List oder einen klugen Plan vor Stampede und Tex Hex zu bewahren. Und jedes Mal wurden wir am Ende der Episode noch einmal darauf hingewiesen, was falsch gewesen war – und wie man sich besser hätte verhalten sollen.

Manchmal hinterließen diese Schlussworte eine gewisse Nachdenklichkeit bei mir. Und ja, ich habe damals tatsächlich versucht, ein kleines bisschen so zu handeln wie meine Helden.

 

Und genauso vergingen unsere Morgen – ein Abenteuer nach dem nächsten. Wir erkundeten mit Captain Future und seiner Crew die futuristische Weite unserer Galaxie, saßen mit am Steuer, wenn April die Kontrolle an Ramrod übergab, und sorgten gemeinsam mit Zacharias Fox und seinen Galaxy Rangers für Gerechtigkeit. Ich könnte noch unzählige Serien aufzählen: M.A.S.K., She-Ra – Princess of Power, SilverHawks und viele mehr. Sie alle hatten eines gemeinsam: Wir waren mittendrin. Wir gehörten dazu.

Und wenn sie ganz lieb war und stillsitzen konnte, durfte auch die kleine Schwester mitschauen. Dann erklärte man ihr voller Stolz, was gerade passierte, wer gut und wer böse war. Als großer Bruder war man ein bisschen stolz darauf, diese Welt mit ihr teilen zu dürfen.

Es waren meist nur 25 Minuten, doch sie gehörten ganz uns. Unsere Zeit, um in ferne Galaxien zu reisen, Abenteuer mitzuerleben, zu träumen und einfach Kind zu sein. Mit einem kleinen bisschen Hoffnung, eines Tages genauso zu werden wie unsere Helden.

Ihr habt die Macht.